Geldmarkt einfach erklärt: ETFs, Zinsen & Funktionen 2026

Der Geldmarkt – das lebenswichtige, oft unsichtbare Fundament unseres Finanzsystems, wo kurzfristige Kapitalflüsse zwischen Banken und Unternehmen gesteuert werden.

Geldmarkt einfach erklärt: ETFs, Zinsen & Funktionen 2026

Geldmarkt einfach erklärt: ETFs, Zinsen & Funktionen 2026

Der Geldmarkt hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. Was früher ein exklusives Spielfeld für Banken, Versicherungen und multinationale Konzerne war, ist im Jahr 2026 fest im Werkzeugkasten moderner Privatanleger verankert. In einer Zeit, in der die Zinslandschaft nach den turbulenten 2020er Jahren ein neues Gleichgewicht gefunden hat, suchen Sparer händeringend nach Alternativen zum klassischen Sparkonto, das oft hinter der Inflationsrate oder den Marktzinsen zurückbleibt.

💡
Status Quo 2026: Während das klassische Tagesgeld oft an die Marketingstrategien der Banken gebunden ist, bietet der Geldmarkt über ETFs einen direkten, transparenten und hochliquiden Zugang zu den professionellen Zinssätzen der Zentralbanken.

In der heutigen Finanzwelt ist Liquiditätsmanagement kein Luxusproblem mehr, sondern eine Notwendigkeit. Die Volatilität an den Aktienmärkten und die Unsicherheiten bei Kryptowährungen haben den Fokus zurück auf das Fundament gelenkt: Den Werterhalt. Der Geldmarkt dient hierbei als Ankerpunkt. Während Investitionen in Unternehmen (Aktien) oder langfristige Kredite (Anleihen) das Ziel des Vermögensaufbaus verfolgen, dient der Geldmarkt der Erhaltung der Kaufkraft bei maximaler Flexibilität.

Geldmarkt für Privatanleger: Die neue Ära der Geldmarkt-ETFs

Die größte Neuerung für Privatanleger ist die Demokratisierung des Geldmarktes durch spezialisierte Exchange Traded Funds (ETFs). Anstatt darauf zu warten, dass die Hausbank die Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) an die Kunden weitergibt, nutzen Anleger heute Produkte wie den DBX0AN (Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap UCITS ETF) oder Konkurrenzprodukte von Amundi und iShares.

Warum Geldmarkt-ETFs das Tagesgeld ablösen

In der Vergangenheit war das Tagesgeld das Maß der Dinge für kurzfristige Rücklagen. Doch im Jahr 2026 zeigt sich ein deutliches Bild: Banken nutzen oft eine sogenannte „Zins-Lethargie“ ihrer Kunden aus. Während der Marktzins für institutionelle Anleger bei etwa 2,0 % bis 3,25 % liegt, bieten viele Filialbanken für Bestandskunden oft nur Bruchteile davon an, während sie gleichzeitig hohe Margen einstreichen.

Banken fungieren hierbei als Intermediäre, die das Geld der Sparer einsammeln und es selbst am Geldmarkt oder bei der Zentralbank zu deutlich höheren Zinsen anlegen. Ein Geldmarkt-ETF „schaltet den Mittelsmann aus“. Er ermöglicht es dem Anleger, direkt an der Quelle der Zinsen zu partizipieren.

Geldmarkt-ETFs hingegen bilden den professionellen Zinssatz nahezu eins zu eins ab. Hier sind die wichtigsten Vorteile für Privatanleger im Überblick:

  • Maximale Transparenz: Der Zinssatz ist öffentlich einsehbar und basiert auf dem €STR (Euro Short-Term Rate). Es gibt keine versteckten Gebühren oder willkürliche Zinsanpassungen durch Bankberater.
  • Absolute Flexibilität: Anteile können börsentäglich während der Handelszeiten (z.B. via Xetra oder Regionalbörsen) verkauft werden. Es gibt keine Kündigungsfristen oder Limitierungen beim Auszahlungsbetrag, wie man sie von manchen Sparkonten oder Kündigungsgeldern kennt.
  • Ende des „Zins-Hoppings“: Anleger müssen nicht mehr quartalsweise das Konto wechseln, um Neukunden-Lockangebote zu erhaschen. Der ETF liefert kontinuierlich den aktuellen Marktzins der Zentralbank – ohne Ablaufdatum für den Zinssatz.
  • Effizienter Zinseszinseffekt: Da die Zinsen bei thesaurierenden Varianten täglich in den Fondspreis einfließen, profitieren Anleger unmittelbar vom Zinseszins, ohne auf eine quartalsweise oder jährliche Gutschrift warten zu müssen.
  • Keine Einlagensicherungslimitierung: Während die gesetzliche Einlagensicherung bei 100.000 Euro endet, bietet das Sondervermögen von ETFs Schutz für theoretisch unbegrenzte Summen gegen eine Insolvenz des Anbieters.

Der €STR: Das Herzstück der Geldmarktzinsen

Um zu verstehen, wie die Rendite eines Geldmarkt-ETFs zustande kommt, muss man den €STR (Euro Short-Term Rate) kennen. Er ist der Referenzzinssatz, der im Jahr 2021 die alte EONIA-Rate endgültig abgelöst hat und heute das unbestrittene Barometer für den Euro-Geldmarkt ist.

Wie der €STR funktioniert

Der €STR wird von der EZB auf Basis tatsächlicher Transaktionen berechnet. Über 50 der größten Banken im Euroraum melden täglich ihre unbesicherten Leihgeschäfte über Nacht. Im Gegensatz zum alten LIBOR oder EURIBOR, die teilweise auf Schätzungen oder Absichtserklärungen basierten, ist der €STR manipulationssicher, da er auf harten, realen Daten beruht.

Die EZB verwendet einen robusten Algorithmus, der Ausreißer filtert und den gewichteten Durchschnitt berechnet. Das Ergebnis ist ein extrem präzises Abbild dessen, was Geld im Euroraum über Nacht kostet. Im aktuellen Marktumfeld von 2026 bewegt sich der €STR stabil im positiven Bereich, da die Zentralbanken gelernt haben, dass eine moderate Verzinsung notwendig ist, um die Geldmenge stabil zu halten und die Inflation zu steuern.

Ein ETF wie der DBX0AN bildet diesen Zinssatz ab, indem er meist eine Performance von „€STR + 8,5 Basispunkte“ (0,085 %) anstrebt, abzüglich einer geringen Verwaltungsgebühr. Dies führt dazu, dass Anleger eine Rendite erhalten, die fast exakt dem institutionellen Zinsniveau entspricht, das sonst nur Banken untereinander gewähren. Die 8,5 Basispunkte resultieren aus der Differenz zwischen dem €STR und dem alten EONIA, der technisch im Swap-Markt oft noch als Basis dient.


Sicherheit im Vergleich: Einlagensicherung vs. Sondervermögen

Eines der kritischsten Themen für sicherheitsorientierte Anleger ist der Schutz ihres Kapitals. Hier gibt es fundamentale strukturelle Unterschiede zwischen einer klassischen Bankeinlage und einem Investment in den Geldmarkt via ETF. Dies ist besonders relevant für Personen, die hohe Liquiditätspuffer für Immobilienkäufe oder Erbschaften verwalten.

Die Einlagensicherung (Bank)

Wenn Sie Geld auf einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto bei einer Bank halten, unterliegt dieses der gesetzlichen Einlagensicherung. In der EU sind damit 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt.
Das systemische Risiko: Sollte eine systemrelevante Bank insolvent gehen und der nationale Sicherungsfonds (oder im Extremfall der Staat) überfordert sein, greift der Schutz nur bedingt. In der Geschichte haben wir gesehen, dass Staaten im Notfall eingreifen, aber eine rechtliche Garantie über die 100.000 Euro hinaus besteht nicht. Zudem ist man bei Beträgen über dieser Grenze einem direkten Gläubigerrisiko ausgesetzt – im Falle einer Bankpleite steht man in der Rangfolge oft hinter anderen Gläubigern.

Das Sondervermögen (ETF)

Ein Geldmarkt-ETF gilt rechtlich als Sondervermögen. Das bedeutet, das Kapital der Anleger ist strikt vom Vermögen der Investmentgesellschaft (z. B. DWS/Xtrackers, BlackRock/iShares, Vanguard) getrennt.
Der entscheidende Vorteil: Geht die Fondsgesellschaft pleite, gehört das Geld im ETF immer noch den Anlegern. Es fällt nicht in die Insolvenzmasse. Es gibt hier theoretisch keine Obergrenze wie die 100.000-Euro-Marke. Das Risiko besteht hier primär im Kursrisiko der enthaltenen Papiere oder – bei synthetischen ETFs – im Kontrahentenrisiko.

Kontrahentenrisiko bei Swaps

Viele Geldmarkt-ETFs nutzen Swaps (Tauschgeschäfte), um die €STR-Performance abzubilden. Das klingt für Laien oft riskant, ist aber hochreguliert. Nach der UCITS-Richtlinie darf das Risiko gegenüber einem Swap-Partner (oft eine Großbank wie Deutsche Bank oder BNP Paribas) niemals 10 % des Fondswerts überschreiten. In der Realität besichern die Anbieter diese Swaps täglich mit hochwertigen Sicherheiten (Staatsanleihen, Blue-Chip-Aktien), sodass das tatsächliche Risiko oft bei 0 % liegt oder sogar überbesichert ist.


Die klassischen Grundlagen: Was ist der Geldmarkt eigentlich?

Trotz der modernen Anwendung für Privatanleger bleibt die ökonomische Definition des Geldmarkts bestehen. Er ist das „Kurzfrist-Pendant“ zum Kapitalmarkt. Während am Kapitalmarkt langfristige Investitionen (Aktien, 10-jährige Staatsanleihen) finanziert werden, dient der Geldmarkt der Steuerung der täglichen Liquidität der gesamten Wirtschaft.

Definition und Laufzeiten

Der Geldmarkt umfasst alle Finanzgeschäfte mit einer Laufzeit von einem Tag (Overnight) bis maximal zu einem Jahr. Er fungiert als globale Drehscheibe für Liquiditätssicherung. Wenn eine Bank heute Abend zu wenig Bargeld in ihren Tresoren hat, um die Mindestreserveanforderungen der Zentralbank zu erfüllen, leiht sie sich dieses am Geldmarkt von einer anderen Institution, die gerade Überschüsse hat.

Die Instrumente im Detail

Um die Funktionsweise von Geldmarktfonds und ETFs zu verstehen, sollte man die zugrunde liegenden Instrumente kennen:

  • Tagesgelder (Call Money): Kredite, die täglich fällig sind und am nächsten Werktag zurückgezahlt oder verlängert werden. Dies ist die liquideste Form.
  • Termingelder (Time Deposits): Gelder mit festen Laufzeiten von einer Woche bis zu 12 Monaten. Hier ist die Liquidität während der Laufzeit eingeschränkt.
  • Schatzwechsel (T-Bills): Kurzfristige Schuldverschreibungen des Staates. In Deutschland sind dies beispielsweise „Bubills“ (Bundesobligationen mit kurzer Laufzeit). Sie gelten als die sicherste Form der Geldanlage überhaupt, da der Staat als Schuldner fungiert.
  • Commercial Papers (CPs): Kurzfristige Inhaberschuldverschreibungen von erstklassigen Unternehmen (z.B. Siemens, SAP, BMW) zur Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs. Sie bieten oft einen kleinen Zinsaufschlag gegenüber Staatsanleihen.
  • Certificates of Deposit (CDs): Von Banken ausgegebene, handelbare Wertpapiere, die eine Einlage verbriefen. Sie sind flexibler als klassische Festgelder, da sie am Sekundärmarkt verkauft werden können.
  • Repo-Geschäfte (Repurchase Agreements): Ein Verkauf von Wertpapieren mit der gleichzeitigen Vereinbarung, diese zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Preis zurückzukaufen. Faktisch ein besicherter Kredit.

Geldmarkt vs. Kapitalmarkt: Ein entscheidender Unterschied

Für die strategische Asset Allocation ist die Abgrenzung zum Kapitalmarkt essenziell. Der Geldmarkt dient nicht dem primären langfristigen Vermögensaufbau (wie Aktien), sondern dem Vermögensschutz und der Liquiditätshaltung. Während am Kapitalmarkt die Volatilität (Schwankungsbreite) bewusst in Kauf genommen wird, um eine Risikoprämie zu verdienen, ist das Ziel am Geldmarkt die Werterhaltung bei gleichzeitigem Erhalt der Kaufkraft durch Zinsen.

MerkmalGeldmarktKapitalmarkt
LaufzeitBis 1 JahrÜber 1 Jahr (oft 5-30 Jahre)
RisikoSehr gering (Default-Risiko minimiert)Höher (Kursrisiken, Marktzyklen)
ZweckLiquiditätssicherung / NotgroschenInvestition / Langfristiger Aufbau
InstrumenteETFs, T-Bills, Commercial PapersAktien, Anleihen, Immobilien
HandelsplatzInterbankenmarkt / Börse (via ETF)Börse / OTC
ZinsertragKurzfristiger Marktzins (€STR)Dividenden, Kupons, Kursgewinne

Die Rolle der Zentralbanken und die Zukunft bis 2026

Zentralbanken wie die EZB sind die Dirigenten des Geldmarktes. Durch die Festlegung der Leitzinsen (insbesondere des Einlagensatzes, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können) geben sie den Takt für alle anderen Marktzinsen vor. Im Jahr 2026 hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir uns in einer Ära „normalisierter Zinsen“ befinden – die Null- und Negativzinsphasen der 2010er Jahre sind Geschichte.

Die Suche nach dem neutralen Zins (r-star)

Ökonomen diskutieren 2026 intensiv über den „neutralen Zins“. Dies ist das Zinsniveau, bei dem die Wirtschaft weder angeheizt noch gebremst wird. Für den Euroraum scheint sich dieser Bereich zwischen 2,0 % und 3,0 % eingependelt zu haben. Das bedeutet für Anleger am Geldmarkt: Es gibt wieder eine reale Rendite nach Abzug der Inflation, was die Attraktivität von Geldmarkt-ETFs gegenüber Sachwerten in Phasen der Marktunsicherheit massiv steigert. Wer liquide Mittel hält, wird nicht mehr durch die „finanzielle Repression“ enteignet, wie es während der Nullzinsjahre der Fall war.

Zentralbank-Digitalwährungen (CBDCs) und der digitale Euro

Ein spannendes Feld im Jahr 2026 ist die fortgeschrittene Entwicklung des digitalen Euro. Die Vorbereitungsphase der EZB ist abgeschlossen, und erste Pilotprojekte für den Massenmarkt laufen. Sollte der digitale Euro flächendeckend eingeführt werden, könnte dies den klassischen Geldmarkt erneut revolutionieren.

Wenn Bürger die Möglichkeit erhielten, Guthaben direkt bei der Zentralbank zu halten, würde die Rolle der Geschäftsbanken als Intermediäre am Geldmarkt unter Druck geraten. Aktuell dienen Geldmarkt-ETFs als perfekte Brücke, um schon heute von den Konditionen der Zentralbank zu profitieren. Ein ETF auf den €STR ist im Grunde die nächste Annäherung an ein Konto direkt bei der Zentralbank, die wir derzeit technisch und rechtlich haben.


Praktische Umsetzung: Wie man in den Geldmarkt investiert

Für den Privatanleger im Jahr 2026 ist der Weg in den Geldmarkt so einfach wie nie zuvor. Es bedarf lediglich eines regulären Wertpapierdepots bei einem Online-Broker, einer Neobank oder einer Direktbank.

  1. Auswahl des passenden Produkts: Suchen Sie nach Geldmarkt-ETFs (z. B. ISIN LU0290358497 für den Xtrackers DBX0AN oder FR0010510800 für den Lyxor/Amundi €STR). Es gibt auch physisch replizierende ETFs, die direkt in kurzlaufende Staatsanleihen investieren (z.B. iShares eb.rexx Government Germany 0-1y). Diese haben kein Swap-Risiko, weisen aber minimale Kursschwankungen auf.
  2. Ertragsverwendung prüfen: Thesaurierend (Acc) bedeutet, Zinsen werden reinvestiert. Der Kurs steigt täglich um den Zinsanteil. Dies ist steuerlich oft einfacher und ideal für den Zinseszinseffekt. Ausschüttend (Dist) zahlt die Zinsen regelmäßig auf Ihr Verrechnungskonto aus – ideal, wenn Sie ein passives Einkommen generieren möchten.
  3. Prüfung der Gesamtkostenquote (TER): Die Kosten liegen bei führenden Produkten zwischen 0,05 % und 0,15 % pro Jahr. Diese geringen Kosten sind entscheidend, da sie die Rendite bei niedrigen Zinsniveaus kaum schmälern. Vergleichen Sie auch die „Tracking Difference“, also wie genau der ETF den Index tatsächlich abbildet.
  4. Ordertyp und Handelsplatz: Kaufen Sie bevorzugt über liquide Handelsplätze wie Xetra während der Kernhandelszeiten (09:00 bis 17:30 Uhr). Da Geldmarkt-ETFs extrem hohes Handelsvolumen aufweisen, ist der Spread (die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) meist minimal – oft nur ein oder zwei Cent pro Anteil. Nutzen Sie Limit-Orders, um unvorhergesehene Preissprünge zu vermeiden.
  5. Monitoring der Geldpolitik: Verfolgen Sie die Sitzungen des EZB-Rats (ca. alle 6 Wochen). Eine Senkung des Einlagensatzes führt fast unmittelbar zu einer geringeren täglichen Verzinsung im ETF. Umgekehrt profitieren Sie sofort von Zinserhöhungen, ohne dass Sie aktiv werden müssen.

Risiken und Herausforderungen auch am Geldmarkt

Keine Anlageform ist völlig risikofrei. Auch am scheinbar sicheren Geldmarkt gibt es spezifische Faktoren, die Anleger kennen sollten, um keine bösen Überraschungen zu erleben:

  • Das reale Inflationsrisiko: Der Geldmarkt liefert nominale Sicherheit. Wenn der Geldmarktzins jedoch bei 2,5 % liegt, die Inflation aber bei 3,0 %, verlieren Sie real an Kaufkraft. Der Geldmarkt ist ein Instrument zum Werterhalt und zur Liquiditätssicherung, selten zur massiven realen Vermögensvermehrung über Jahrzehnte.
  • Zinsänderungsrisiko bei längeren Laufzeiten: Während Overnight-ETFs (€STR) kaum auf Zinsänderungen reagieren, können ETFs, die 6-12-monatige Papiere halten, bei einem plötzlichen, starken Zinsanstieg kurzzeitig im Kurs sinken. Man spricht hier von der „Duration“. Je kürzer die Laufzeit der enthaltenen Papiere, desto geringer dieses Risiko.
  • Kontrahentenrisiko (Swap-Risiko): Bei synthetischen ETFs ist man theoretisch dem Risiko ausgesetzt, dass die Bank (der Swap-Partner) ihren Verpflichtungen nicht nachkommt. Wie erwähnt, wird dies durch tägliche Besicherung und UCITS-Regeln minimiert, bleibt aber ein theoretischer Unterschied zu einem Konto mit staatlicher Garantie.
  • Liquiditätsrisiko in Extremphasen: In extremen Finanzkrisen (wie 2008) könnten die Märkte für bestimmte Commercial Papers einfrieren. Aufgrund der Fokussierung moderner ETFs auf den €STR (Interbanken-Markt) oder Staatsanleihen gilt dieses Risiko 2026 für die gängigen Produkte als vernachlässigbar.
  • Steuerliche Vorabpauschale: Seit der Investmentsteuerreform 2018 wird bei thesaurierenden Fonds jährlich eine Vorabpauschale fällig, wenn der Basiszins positiv ist. Anleger müssen sicherstellen, dass genügend Liquidität auf dem Verrechnungskonto vorhanden ist, damit die Bank die Steuer abführen kann.

FAQs zum Thema Geldmarkt

Ist ein Geldmarkt-ETF sicherer als Tagesgeld?

Beide Anlageformen nutzen unterschiedliche Sicherheitsarchitekturen. Tagesgeld ist bis 100.000 € durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt, was für viele Kleinanleger die psychologisch wichtigere Hürde ist. Der Geldmarkt-ETF hingegen ist Sondervermögen und schützt das Kapital unabhängig von der Summe vor einer Insolvenz des Anbieters. Für vermögende Anleger mit Beträgen weit über 100.000 € bietet der ETF daher oft die strukturell überlegene Sicherheit, da er das Klumpenrisiko einer einzelnen Bank vermeidet.

Kann der Kurs eines Geldmarkt-ETFs fallen?

In einem positiven Zinsumfeld, wie wir es 2026 erleben, steigt der Kurs eines thesaurierenden ETFs kontinuierlich an, da die täglichen Zinsen dem Fondspreis zugeschlagen werden. Ein Kursabfall ist theoretisch nur möglich, wenn der Referenzzins (€STR) wieder in den negativen Bereich rutscht (wie zwischen 2014 und 2022) oder wenn die Verwaltungsgebühren des Fonds höher sind als die erwirtschafteten Zinsen. Bei ausschüttenden ETFs fällt der Kurs am Tag der Ausschüttung um genau den Betrag, der an die Anleger gezahlt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs?

Klassische Geldmarktfonds werden oft aktiv durch Fondsmanager gesteuert, die versuchen, durch die Auswahl spezifischer Unternehmenspapiere oder längerer Laufzeiten eine Überrendite zu erzielen – dies geht oft mit höheren Gebühren (0,5 % oder mehr) einher. Geldmarkt-ETFs bilden passiv und regelbasiert einen Index wie den €STR ab. Sie sind kostengünstiger, transparenter und lassen sich flexibler über die Börse handeln. In der Praxis haben ETFs die klassischen Geldmarktfonds für Privatanleger weitgehend verdrängt.

Wie werden Gewinne aus Geldmarkt-ETFs versteuert?

In Deutschland unterliegen die Gewinne (Zinserträge oder Kursgewinne) der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Da es sich bei Geldmarkt-ETFs meist nicht um Aktienfonds handelt (die eine Aktienquote von >51 % benötigen), gibt es keine Teilfreistellung (0 % Teilfreistellung). Anleger sollten ihren Freistellungsauftrag (1.000 € pro Person) nutzen, um Steuern auf die jährlichen Erträge zu minimieren.

Eignet sich der Geldmarkt als Notgroschen?

Ja, der Geldmarkt ist sogar ideal für den Notgroschen. Die tägliche Verfügbarkeit bei gleichzeitig marktgerechter Verzinsung macht ihn dem klassischen Girokonto oder schlecht verzinsten Sparbüchern überlegen. Man sollte lediglich beachten, dass der Transfer vom Depot zum Girokonto je nach Bank 1-2 Werktage dauern kann. Für sofortige Liquidität (Minutenschnelle) sollte ein kleiner Teil weiterhin auf dem Girokonto verbleiben.


Fazit: Liquidität mit Intelligenz steuern

Der Geldmarkt ist im Jahr 2026 kein Buch mit sieben Siegeln mehr, sondern ein demokratisiertes Werkzeug für jeden reflektierten Anleger. Durch die einfache Zugänglichkeit von Geldmarkt-ETFs haben Privatanleger heute die Möglichkeit, exakt die gleichen Zinskonditionen zu erhalten wie internationale Großbanken oder staatliche Institutionen.

Ob als „Parkplatz“ für die nächste Steuerzahlung, als hochverzinster Notgroschen oder als strategischer, sicherer Hafen während volatiler Phasen am Aktienmarkt – der moderne Geldmarkt bietet eine unschlagbare Kombination aus Sicherheit, Transparenz und täglicher Verfügbarkeit. Wer heute noch signifikante Summen unverzinst auf einem Girokonto oder einem mickrig verzinsten Alt-Sparkonto liegen lässt, verschenkt aktiv Rendite.

Die Nutzung des €STR über liquide ETFs ist die zeitgemäße, professionelle Antwort auf die finanziellen Herausforderungen unserer Zeit. Es ist Zeit, Liquidität nicht mehr nur als „totes Kapital“ zu betrachten, sondern als aktiven Baustein für die eigene finanzielle Stabilität und Freiheit. In einer Welt, in der Information die wichtigste Währung ist, ist der direkte Zugang zu den Marktzinsen das Recht jedes mündigen Sparers.